1. Juli 2011 | 03:30 Uhr | Von Sönke Lundt

Begeisterung für die Musik: Die Band „High Five“ und ihre Begleiter aus dem Landesjugendorchester. Foto: grätsch
Kreativ-Quartett "High Five" spielt mit Verstärkung CD ein
In Freienwill sagen sich Hase und Igel gute Nacht. Das kleine Örtchen bei Flensburg liegt malerisch inmitten weiter Wiesen und Felder. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet hier die Keimzeile eines jungen Kreativ-Quartetts liegt? "High Five" heißt die Band, die trotz ihres jungen Durchschnittsalters bereits erstaunlich stilsicher Jazz, Funk, Pop und Fusion zu einer aufregenden Melange mixt. In einem alten Resthof, umgebaut zu einem Studio, sind die vier Musiker am Himmelfahrts-Wochenende in Klausur gegangen, um ihre neueste CD einzuspielen. Verstärkung haben sich die Vier dabei in Form von 16 Musikern des Landesjugendorchesters geholt. Am Freitag wurde geprobt, danach lernte man sich beim Abend essen und einer ausgelassenen Party erst einmal kennen, ehe es am Sonnabend ans Aufnehmen ging. Das Ergebnis kann sich hören lassen: Bassist Glenn Großmann und Schlagzeuger Matthias Petersen liefern in Marcus Millers Fusion-Klassiker "Lesley Ann" ein satt groovendes Grundgerüst, Jasper Grätsch bahnt sich mit geschmackvoll platzierten Piano-Riffs seinen Weg durch die einsetzenden Streicher und Bläser, ehe Fynn Großmanns wohl-phrasiertes Saxophon zusätzliche Klangtupfer liefert. Tatsächlich gelingt "High Five" in den sechs orchestral arrangierten Songs das Kunststück, die Musik trotz der zwanzigköpfigen Besetzung nie zu überfrachten. Verantwortlich für die luftigen Arrangements sind Fynn Großmann und dessen Bruder Glenn - mit 16 der Jüngste in der Band. Beide spielen parallel zu "High Five" auch im Landesjugendorchester - so entstand auch der Kontakt zu den 16 Gastmusikern. "Ein bisschen skeptisch waren die anfangs schon", erzählt Fynn. "Aber nach und nach waren alle von diesem Ausflug in Jazz und Pop begeistert." Unterstützung haben die jungen Musiker dabei vor allem von ihren Eltern erhalten, allen voran Familie Großmann, die zwanzig junge Leute in ihrem Haus übernachten ließen und bewirteten. Vater Thomas Großmann, selbst Profimusiker und Studiobesitzer, fungierte auch als Aufnahmeleiter. Spätestens im Herbst sollen die sechs Orchester-Stücke, zusammen mit fünf weiteren nur von der Band eingespielten Songs, auf einer neuen CD erscheinen. Der Titel steht auch schon fest: "Beside my way". Darauf zu hören: Eine ausgewogene Mischung von Jazz-, Pop- und Fusion-Klassikern - von Stevie Wonders "Isn’t she lovely", bei dem Keyboarder Jasper nicht nur ein cooles Orgelsolo abliefert, sondern auch noch gekonnt als Sänger zum Mikrofon greift, bis zu Eric Marienthals locker groovendem "Easy Street". Kein Wunder, dass die jungen Jazzer bereits über die Landesgrenzen hinweg von sich Reden machten: Als Gewinner des Landeswettbewerbs "Jazz it up" durften sie in der vergangenen Woche nach Dortmund zur Bundesbegegnung "Jugend jazzt" des Deutschen Musikrates, wo sie Schleswig-Holstein vertraten. Eine hochkarätig besetzte Jury bescheinigte "High Five" beste Live-Qualitäten. Als Preis des Wettbewerbs, der ohne eigentliches Ranking angelegt ist, kehrt die Gruppe nun nicht nur mit etlichen Live-Erfahrungen und einer überaus amtlichen Aufnahme des Deutschlandfunks in den Norden zurück, sondern darf 2012 auch noch beim legendären Jazz-Festival "Uni Do" der Universität Dortmund auftreten. Doch bis dahin hat das Quartett noch Gelegenheit zum "Üben": Morgen um 11 Uhr spielt "High Five" - bereits zum zweiten Mal - im Rahmen der Jazz Baltica beim Open-Air-Festival auf Schloss Salzau; dann in ihrer Ur-Besetzung.
